Zwei kürzlich im Online-Archiv der Berkeley Library in Kalifornien veröffentlichte Fotografien zeigen den dirigierenden Arnold Schönberg im März 1935 bei Proben für die Darbietung eigener Werke in San Francisco.

Sechs intensive Probentage gingen dem Konzertabend am 7. März 1935 im Veterans’ Auditory voran. Einem im Archiv der University of California at Berkeley beiliegenden Indexformular ist zu entnehmen, dass die Fotografien am Vortag um die Mittagszeit von J. Woods für den San Francisco Examiner angefertigt worden sind.

Die Fotografien als solche sind nicht nur Zeitdokumente, sondern beeindrucken durch eine handwerklich hervorragende Qualität. Zu sehen ist ein hochkonzentrierter Schönberg, mit Dirigierstab an einem Tisch sitzend, vor sich die aufgeschlagene Partitur von »Pierrot lunaire« op. 21, mit augenscheinlichem Eifer die – mit Ausnahme der Sängerin Rudolphine Radil – auf dem Bild nicht zu sehenden Musiker anleitend. Der im Sitzen probierende Maestro wurde übrigens mehrfach fotografisch dokumentiert.

Zum Zeitpunkt der Aufnahme war Schönberg noch nicht lange in den USA heimisch. Erst wenige Monate zuvor, im September 1934, war er nach einem mehrmonatigen Aufenthalt an der US-amerikanischen Ostküste zusammen mit seiner Familie nach Los Angeles gezogen. Unmittelbar nach seiner Ankunft unterrichtete Schönberg zunächst eine Klasse von sechs Privatschüler:innen, darunter John Cage. 1935 und 1936 hatte er den »Alchin Chair« an der University of Southern California inne, eine Gastdozentur für Komposition. Trotz asthmatischer Beschwerden gelang es Schönberg zu jener Zeit, sich in seinem neuen Umfeld durch rege Unterrichtstätigkeit, zahlreiche Dirigate sowie die Uraufführung seiner »Suite für Streichorchester« bekannt zu machen.

Das Konzert in San Francisco, bei dem neben sieben Stücken aus dem Melodramenzyklus »Pierrot lunaire« auch das »Lied der Waldtaube« sowie die (gleich zweimal dargebotene) Kammersymphonie op. 9 zur Aufführung kamen, wurde von der Lokalpresse äußert wohlwollend aufgenommen; so wurden die Kompositionen als »Masterpieces« tituliert, und dem Komponisten die Bedeutung von Beethoven beigemessen (San Francisco Chronicle, 8. März 1935). Die Rückreise nach Los Angeles erfolgte am 9. März und wurden von den Schönbergs in Eigenregie fotografisch dokumentiert und in einem Fotoalbum für Tochter Nuria festgehalten.